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	<title>Zur Zeit: Calcutta</title>
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		<title>Auf der Zugspitze</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Apr 2012 15:56:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Gerrmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#160; Nicht einmal 3000 Meter, nur gut ein Drittel so hoch wie der Mount Everest – was kann die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg jemand aus Indien, wo es Tausende von Gipfel gibt, die weit höher sind, da schon bieten. Zumindest &#8230; <a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/04/auf-der-zugspitze/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p>Nicht einmal 3000 Meter, nur gut ein Drittel so hoch wie der Mount Everest – was kann die Zugspitze, Deutschlands höchster Berg jemand aus Indien, wo es Tausende von Gipfel gibt, die weit höher sind, da schon bieten. Zumindest was Aditi Guha, meine Kollegin von der Times of India anbelangt, kann und muss man allerdings sagen: ganz schön viel.</p>
<p>Wettermäßig stand unser Ausflug nach Tirol ja nicht gerade unter einem guten Stern. Von unserer Ankunft am Donnerstagnachmittag bis zum Abend des Ostersonntag war nichts, aber auch gar nichts von den Alpengipfeln zu sehen. Wolken, nichts als Wolken bis ins Tal hinab! Auch die Webcam von der Zugspitze zeigte nichts als eine weiße Fläche: eine schöne Aussicht auf den Nebel mithin, nicht auf die majestätische Welt der Berge.</p>
<p>Der Sonntagabend weckte eine gewisse Hoffnung, und so wollen wir am Montagmorgen die Chance nutzen, in der Nähe von Ehrwald in die Tiroler Zugspitzbahn zu steigen. Der Himmel ist wenigstens nicht total wolkenverhangen. Ausgerechnet, als sich die 100 Personen fassende Gondel in Bewegung setzt, verhüllt sich der Gipfel aber wieder. So ein Pech!</p>
<p>Nach einer Viertelstunde Fahrt, in deren letzten Drittel es wegen des Windes ziemlich schaukelt, kommen wir auf 2950 Meter in der Bergstation an. Und der Himmel zeigt sich gnädig: Das Ehrwalder Becken ist ebenso zu sehen wie die fantastische Sonnenspitze, der Höhepunkt der Mieminger Kette. Im Skigebiet von Lermoos zieht sich der Kunstschnee als weißes Band durch grüne Wiesen. Der heftige Schneefall vom Ostersonntag ist schon wieder so gut wie verschwunden.</p>
<p>Auch die Ammergauer Alpen verhüllen sich nicht, und der Eibsee schillert in seiner ganzen Pracht. Garmisch lässt sich auch nicht nur erahnen. Wir haben also nochmal Glück gehabt, auch wenn die Dolomiten und die Hohen Tauern sich hinter Wolken verstecken.</p>
<p>Aber Aditis ist auch so begeistert. Alles im Leben ist eben relativ. Und für jemand, dessen Heimatstadt sieben Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist eben auch die Zugspitze ganz schön hoch.</p>
<p>Daheim in Calcutta sind Familie und Freunde ohnehin schon über der englischen Wikipedia gehangen und haben sich über das Ausflugsziel informiert. Es wird fleißig gemailt und ge-smst, und der Tenor der Nachrichten aus Bengalen ist stets derselbe: &#8220;Was für ein Glück Du hast, Aditi!&#8221;</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_683" aria-labelledby="figcaption_attachment_683" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00075.jpg"><img class="size-medium wp-image-683" title="DSC00075" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00075-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_683" class="wp-caption-text">Ein Erinnerungsfoto von der Zugspitze: Das muss einfach sein.</figcaption></figure>
<p>Kann man wohl sagen, denn sogar das goldene Gipfelkreuz auf der deutschen Seite leuchtet aus dem Weiß des Schnee heraus. Viele Touristen posieren davor, auch Aditi mit Christine, und die Kollegin von der Times of India bricht immer wieder in Begeisterungs-Rufe aus: &#8220;Einfach herrlich hier. Ich komme mir vor wie auf dem Dach der Welt! Das ist ganz anders als der Himalaja – aber einfach wunder-, wunderschön!&#8221;</p>
<p>Das Museum über den Bau der Zugspitzbahn auf der österreichischen Seite ist ebenfalls überaus beeindruckend und bietet zudem Schutz vor dem immer eisiger werdenden Wind. Toll auch, daß der Streik wegen der im Grunde unzumutbaren Arbeitsbedingungen in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts da nicht etwa ausgeblendet, sondern ausführlich thematisiert wird. Ödön von Horvath hat ja darüber ein Theaterstück geschrieben und einen Unfall dort zum Angelpunkt seiner Auseinandersetzung mit dem Widerstreit zwischen Kapital und Arbeit gemacht: &#8220;Die Bergbahn&#8221; erregte damals großes Aufsehen.</p>
<figure id="attachment_684" aria-labelledby="figcaption_attachment_684" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00080.jpg"><img class="size-medium wp-image-684" title="DSC00080" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00080-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_684" class="wp-caption-text">Fantastischer Ausblick bei der Talfahrt mit der Tiroler Zugspitzbahn.</figcaption></figure>
<p>Mit der modernen Variante dieses technischen Meisterstücks fahren wir dann wieder hinunter ins Tal. Und Aditis Begeisterung hält an: &#8220;Fotografier bitte!&#8221;, ruft sie mir immer wieder zu. Denn die Fotos will sie unbedingt nach Calcutta schicken. Denn nächstes Jahr will sie mit ihrer Familie zurückkommen. Ihren Sohn hat sie schon überzeugt: &#8220;Bring mir bitte eine Flasche Schneewasser mit!&#8221;, hat ihr der auf die Zugspitze ge-smst.</p>
<p>So was tut natürlich gut. Mit dem höchsten Bergle unserer Republik müssen wir uns also doch nicht verstecken. Obwohl ich mir das zunächst so dachte, als ich Indiens höchsten Gipfel, den Kangchendzönga, mit seinen 8586 Metern vor meinem geistigen Auge emporragen sah. Aber auch in der Welt der Berge scheint zu gelten. Man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen.</p>
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		<title>Karfreitag in Reutte</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 18:23:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Gerrmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Man muss mich schon umgewöhnen, wenn man an Karfreitag in Tirol zu Gast ist: Alle Geschäfte sind offen, und die Hektik ist noch größer als sonst. Die Reuttener Einzelhändler haben im Allgäu groß geworben, und tatsächlich haben viele Deutsche an &#8230; <a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/04/karfreitag-in-reutte/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss mich schon umgewöhnen, wenn man an Karfreitag in Tirol zu Gast ist: Alle Geschäfte sind offen, und die Hektik ist noch größer als sonst. Die Reuttener Einzelhändler haben im Allgäu groß geworben, und tatsächlich haben viele Deutsche an Karfreitag nichts Besseres zu tun, als zum Einkaufen ins Nachbarland zu fahren.</p>
<p>Auch Aditi von der Times of India nutzt die Chance, ihren Fundus an Mitbringseln zu erweitern. Pflaumenschnaps in Mini-Fläschschen mit Tiroler Hut für die Jungs im Büro in Calcutta, Ohrringe für die Mädels. Wie schon Bill Ramsey<br />
sang: &#8220;Souvenirs, Souvenirs. . .&#8221;</p>
<p>Tirol ist (wie ganz Österreich) mit großer Mehrheit katholisch, deswegen ist der höchste Feiertag der Protestanten nicht arbeitsfrei. Aber Gottesdienste gibt es dennoch. Um 15 Uhr etwa eine Liturgie zum Leiden und Sterben Jesu in der barocken Peter-und-Paul-Kirche in Breitenwang. Und es ist ganz erstaunlich: Das Gotteshaus ist voll, durch Zusammenrutschen bekommen wir gerade noch drei freie Plätze – so eine Resonanz dürfte es nicht unbedingt in jeder evangelischen Kirche im Dekanat Nürtingen gegeben haben.</p>
<p>Und Reuttes katholischer Dekan Franz Neuner gestaltet eine Feier, die auch für einen Protestanten sehr beeindruckend ist. Auf Orgelmusik wird verzichtet, nur der Chor singt, die Monstranz und der Abendmahlskelch fehlen am Altar, das Johannes-Evangelium wird szenisch gelesen, es gibt keine Eucharistie.</p>
<figure id="attachment_672" aria-labelledby="figcaption_attachment_672" class="wp-caption alignnone" style="width: 235px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC000521.jpg"><img class="size-medium wp-image-672" title="DSC00052" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC000521-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_672" class="wp-caption-text">Vor dem Kreuz: die Scherben des Lebens.</figcaption></figure>
<p>Das verhüllte Kreuz wird feierlich hereingetragen, unter Gebeten enthüllt und  vor den Altar gestellt. Zur Kreuzverehrung kann jeder eine Tonscherbe in einen Korb davor legen – als Sinnbild für die Scherben des eigenen Lebens und das Kreuz, das wohl ein jeder zu tragen hat.</p>
<figure id="attachment_673" aria-labelledby="figcaption_attachment_673" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00054.jpg"><img class="size-medium wp-image-673" title="DSC00054" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00054-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_673" class="wp-caption-text">Nach der Klage Gottes: nur noch eine Kerze brennt.</figcaption></figure>
<p>Eine Frau rezitiert eine Klage Gottes über sein Volk, dem er so viel  Freiheit schenken wollte und das in der Enge der Angst versinkt. Mit jedem Klageruf verlischt eine Kerze auf dem Altar, bis nur noch eine einziehe übrig bleibt.</p>
<p>All das ist tief beeindruckend und geht unter die Haut. Auch Aditi, die keine Christin ist, sondern Hindu. Sie nimmt eine Ton-Scherbe, berührt damit die Füße des Gekreuzigten. Sie wird sie ihrem Sohn mit nach Calcutta bringen. Als Segenszeichen.</p>
<figure id="attachment_674" aria-labelledby="figcaption_attachment_674" class="wp-caption alignnone" style="width: 235px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00064.jpg"><img class="size-medium wp-image-674" title="DSC00064" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00064-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_674" class="wp-caption-text">Romantische Landschaft Aditi an den Stuibenfällen.</figcaption></figure>
<p>Danach bleibt vor dem Abendessen noch etwas Zeit für einen kleinen Spaziergang an den Stuibenfällen, die viele unserer Leser unter anderem von der Leserwanderung zu Gunsten &#8220;Licht der Hoffnung&#8221; im vergangenen Jahr kennen. Auch die Frau aus Indien ist begeistert, wie sich das Wasser seinen Weg vom Plansee durch die Felsen in den Archbach bahnt. Und sie genießt es, einfach auf der kleinen Brücke stehen bleiben und durchschnaufen zu können: &#8220;Welch herrliche Luft!&#8221;, ruft sie immer wieder. Ja, stimmt. So ein Erlebnis wie hier hat Aditi in Calcutta nie.</p>
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		<title>Ein Spaziergang durch Füssen</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Apr 2012 10:25:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Gerrmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Indien ist ein riesiges Land. Fast ein Kontinent für sich allein. Deutschland ist ein Mini-Ländchen dagegen. Eingebettet in Europa. Und so sind die Osterfeiertage ein guter Anlass, um Aditi auch noch etwas anderes zu zeigen als Nürtingen und seine unmittelbare &#8230; <a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/04/ein-spaziergang-durch-fussen/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Indien ist ein riesiges Land. Fast ein Kontinent für sich allein. Deutschland ist ein Mini-Ländchen dagegen. Eingebettet in Europa. Und so sind die Osterfeiertage ein guter Anlass, um Aditi auch noch etwas anderes zu zeigen als Nürtingen und seine unmittelbare Umgebung. Und daher fahren wir über das höchste Fest der Christen zu meiner Lebensgefährtin Christine Schneider, die in Reutte in Tirol wohnt.</p>
<p>Zunächst treffen wir uns aber mal in Füssen, wo sie zu tun hat. Sie muss für ihre Serie über den neuen Lech-Wanderweg, die sie als Wanderführerin für die &#8220;Rundschau&#8221; in ihrer Heimatstadt schreibt, noch ein paar Fotos machen. Das trifft sich gut, denn die Metropole des Ostallgäus ist immer einen Besuch wert. Nicht ohne Grund hat sich nicht nur Bayerns Märchenkönig Ludwig II. gerne hier aufgehalten, sondern auch schon dessen Eltern.</p>
<p>Und auch Aditi ist gleich angetan vom Zauber der Straßen, Plätze und Gassen dort, die so ganz anders sind, als sie es von zuhause kennt. Sie mag ohnehin keine Großstädte (deren Hektik erlebt sie jeden Tag daheim), sie fühlt sich in kleineren Orten (wie Nürtingen oder Füssen) viel wohler.</p>
<p>Auch Meister Eders Bäckerei am Franziskanerplatz gefällt ihr sehr durch deren gemütliche Atmosphäre. Die Butterbrezel schmeckt (wobei ihr schon der Unterschied zwischen der bayerischen und der schwäbischen Variante auffällt), der Cappuccino ebenfalls. Und die kleinen Kanonenkugel aus dem Dreißigjährigen Krieg, die in der Außenwand des Hauses gefunden wurde, muss unbedingt noch fotografiert werden, bevor wir unseren Spaziergang fortsetzen.</p>
<figure id="attachment_667" aria-labelledby="figcaption_attachment_667" class="wp-caption alignnone" style="width: 235px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00053.jpg"><img class="size-medium wp-image-667" title="DSC00053" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00053-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_667" class="wp-caption-text">Vor dem Lautenmacher-Brunnen in Füssen: Christine und Aditi.</figcaption></figure>
<p>Dann geht es von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Entlang des Klosters St. Mang (heute Rathaus und Museum) hinauf zur gleichnamigen Basilika, dann in den Park vor der alten Stadtmauer, durch einen gewaltigen Einschnitt in den Felsen unterhalb des Hohen Schlosses durch und dann wieder hinunter in die Stadt mit ihrer großen Fußgängerzone und deren vielen Geschäften und Wirtshäusern, wo das Leben gewaltig pulsiert.</p>
<p>Die Inderin kann sich kam satt sehen an all dem, was geboten ist und angeboten wird, und sie überlegt, was sie davon mit nach Hause nach Calcutta bringen kann. Ihre Wahl fällt auf kleine Kuhglocken als Deko für Wohnung und Büro und Mini-Bierkrüge als Schlüsselanhänger. Genau die Dinge, die angeblich &#8220;typisch bayerisch&#8221; sind und zuweilen gar als &#8220;typisch deutsch&#8221; gelten.</p>
<p>Wie dem auch sei: In der Redaktion der &#8220;Times of India&#8221; steht ja schon ein Murmeltier und spielt Tag für Tag seine alpinen Lieder. Bald werden dazu auch Kuhglocken bimmeln. Da wird sich das &#8220;Putul&#8221;, wie die Kollegen in Calcutta sagen, so richtig heimisch fühlen. . .</p>
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		<title>Kali und Shani</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Apr 2012 19:53:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Gerrmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Allüberall sieht man in Calcutta kleine Tempel am Wegesrand. Die Hindus sind sehr religiös, und damit sollen sie die Möglichkeit haben, quasi im Vorbeigehen beten zu können. Am Shantiniketan Building, wo das Büro der Times of India ist, hängt am &#8230; <a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/04/kali-und-shani/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Allüberall sieht man in Calcutta kleine Tempel am Wegesrand. Die Hindus sind sehr religiös, und damit sollen sie die Möglichkeit haben, quasi im Vorbeigehen beten zu können.</p>
<p>Am Shantiniketan Building, wo das Büro der Times of India ist, hängt am Eingang ein Bild der Göttin Kali, der Calcutta ihren Namen verdankt. Viele Menschen, die in den 16 Stockwerken dort arbeiten, beginnen und beenden ihr Tagwerk, indem sie dort ein kurzes Gebet sprechen.</p>
<figure id="attachment_657" aria-labelledby="figcaption_attachment_657" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00273.jpg"><img class="size-medium wp-image-657" title="DSC00273" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00273-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>a<figcaption id="figcaption_attachment_657" class="wp-caption-text">Ungleiches Götter-Pärchen: Kali und Shani (in Blau).</figcaption></figure>
<p>Am Ballygunge Phari, ganz in der Nähe meines Gästehauses, indem ich sechs Wochen verbracht hatte, ging ich jeden Abend an einem anderen kleinen Bethaus vorbei. Darinnen steht ein ungleiches Pärchen. Kali, die Schutzgöttin der Stadt, und Shani, der Regent des Planeten Saturn.</p>
<p>Die eine ist zwar auch die Göttin der Zerstörung, aber zugleich steht sie auch für Neubeginn, für Fruchtbarkeit und Erotik (was ja alles positive Dinge sind). Kalis Kleid ist (wie man auf dem Bild oben sieht) rot. Wie das Blut. Auch das Menstruationsblut der Frau.</p>
<p>Ihr Gefährte in diesem Mini-Tempel ist da ein ganz anderes Kaliber: &#8220;Shani ist verantwortlich für alles Durcheinander und Unglück im Leben der Menschen&#8221;, hat mir schon in Calcutta Basav Bhattacharya, mein Journalistenkollege, mit dem ich oft unterwegs war, erklärt. Er trägt Blau: &#8220;Denn alles Böse ist blau.&#8221; Sagt Basav. Der Sohn des Sonnengottes Surya  und der  Chaya („Schatten“) wird von einer Krähe begleitet, und er führt stets Speer und Pfeilbogen mit sich.</p>
<p>Kein Wunder also, dass keiner so recht mit ihm zu tun haben will: &#8220;Niemand will ihn in seiner Wohnung haben&#8221;, erzählt mir vorhin meine Kollegin Aditi Guha, die zur Zeit bei uns zu Besuch in der Nürtingen Zeitung ist: &#8220;Deswegen verehrt man ihn nur am Straßenrand. Niemals daheim.&#8221;<br/><br/><a class="geolocation-link" href="#" id="geolocation656" name="52.517,13.399999999999977" onclick="return false;">Posted from Berlin, Berlin, Germany.</a></p>
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		<title>Grüne Dächer für Indien?</title>
		<link>http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/04/grune-dacher-fur-indien/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Apr 2012 14:29:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Gerrmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Indien ist ein faszinierendes Land. Aber auch eins mit vielen Umweltproblemen. Wie gut es uns in dieser Richtung geht, das ist meiner Kollegin Aditi Guha von der Times of India schon in den ersten Tagen ihres Aufenthalts aufgefallen: Blauen Himmel &#8230; <a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/04/grune-dacher-fur-indien/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Indien ist ein faszinierendes Land. Aber auch eins mit vielen Umweltproblemen. Wie gut es uns in dieser Richtung geht, das ist meiner Kollegin Aditi Guha von der Times of India schon in den ersten Tagen ihres Aufenthalts aufgefallen: Blauen Himmel und die Sonne nicht nur hinter grauem Dunst zu erahnen, sondern auch den ganzen Tag über zu sehen – das ist in Calcutta wahrlich etwas ganz Besonders. Während meiner fünf Wochen dort war mir dieses Glück nie beschieden.</p>
<p>Klar also, daß Umweltthemen für Aditi bei ihrem Besuch am Neckar ganz obenan stehen. Und super, daß Nürtingen in dieser Richtig etwas ganz Besonders zu bieten hat: In Indien  sammelt man zwar nun auch Regenwasser und baut Niedrigenergie-Häuser, aber Dachbegrünung kennt man in Calcutta gar nicht. Und in Nürtingen gibt es ja einen der Weltmarktführer auf diesem Sektor – die Firma Zinco, die seit kurzem in der Bachhalde bei Oberensingen beheimatet ist.</p>
<figure id="attachment_652" aria-labelledby="figcaption_attachment_652" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00050.jpg"><img class="size-medium wp-image-652" title="DSC00050" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/04/DSC00050-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_652" class="wp-caption-text">Gespräche über Dachbegrünung: Aditi Guha mit Wolfgang Ansel (links) und Roland Appl auf dem Dach des Zinco-Neubaus in der Bachhalde bei Oberensingen.</figcaption></figure>
<p>Deren Chef, Dieter Schenk, ist leider kurzfristig krank geworden. Aber Wolfgang Ansel, der bei der International Green Roof Association (IGRA)  tätig ist, und Roland Appl, seines Leiters Technischer Leiter bei Zinco, nehmen sich gerne Zeit für den Gast aus der 14-Millionen-Metropole in West-Bengalen. Und für Ansel trifft es sich ohnehin großartig: Er bereitet gerade den Auftritt seiner Organisation bei der &#8220;Roof India&#8221; vor – einer Fachmesse, die demnächst in Chennai stattfindet.</p>
<p>Und er informiert Aditi ausführlich über die Anfangsjahre der Dachbegrünung in Deutschland vor 30, 40 Jahren: &#8220;Zu Beginn war es wichtig, dass die Sache bezahlbar wurde, damit die Städte  Dachbegrünung auch vorschreiben konnten.&#8221; Und der Experte unterstreicht, dass die Unterhaltskosten für grüne Dächer sehr niedrig seien, so daß sie auch etwas für Garagen und Carports seien.</p>
<p>Auch in anderer Richtung kann er die Journalistin aus Indien beruhigen: die Pflanzen, die man für die Dächer auswähle, hielten auch extreme Klimabedingungen aus. Im Falle Calcutta heißt dies: zum Teil extreme Hitze, dann aber auch gewaltige Regenfälle über Monate hinweg. Und die Vorteile für den Subkontinent leuchten der Frau von der Times of India ein: Wasser werde zurückgehalten, die grünen Dächern wirkten kühlend für die Städte, die Biodiversität (Artenvielfalt) werde erhöht, und man erhalte auch einen ökologischen Ausgleich  für verbrauchte Flächen.</p>
<p>Indien sei gewiss ein großer Markt mit vielen Bauaktivitäten, ist Ansel überzeugt. Aber das Basiswissen über Dachbegrünung sei nicht so verbreitet wie in Europa: &#8220;Da muss man was tun!&#8221; Aditi gibt ihm recht: &#8220;Ja, das stimmt. Unsere Leute müssen in dieser Richtung ausgebildet werden.&#8221; Und sie hat durchaus Hoffnung: &#8220;Calcutta ist eine Metropole mit viel Problemen, aber auch viel Potential.&#8221; Und sie atmet auf, als die beiden Gesprächspartner ihr versichern, dass man durchaus auch Dächer von Altbauten begrünen könne, wenn entsprechende Voraussetzungen vorlägen.</p>
<p>Roland Appl stellt ihr dann noch die Firma Zinco und deren Neubau in der Bachhalde vor. Die Inderin ist beeindruckt, als sie hört, dass dort mehr Energie produziert als verbraucht und demnächst nicht  nur das Dach und die Tiefgarage, sondern auch eine Hauswand begrünt werden soll.</p>
<p>Aditi ist fasziniert. Was sie gehört hat, will sie nun nicht zuletzt dem Chef des Entwicklungsamtes der Metropolregion Calcutta, Vivek Bharadwaj, weitergeben.</p>
<p>Wer weiß, vielleicht ergibt sich ja bald eine ganz neue Verbindung zwischenden Städten am Neckar und am Hugli (respektive Ganges). . .</p>
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		<title>Der erste Eindruck von Nürtingen</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Mar 2012 19:52:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Gerrmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
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		<description><![CDATA[Aditi fühlt sich wohl. Das steht schon nach dem ersten Morgen meiner Kollegin von der Times of India in Nürtingen fest. Wie erwartet war der Wochenmarkt der ideale Einstieg in das Leben der Stadt am Neckar. Auch wegen der Herzlichkeit &#8230; <a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/03/der-erste-eindruck-von-nurtingen/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aditi fühlt sich wohl. Das steht schon nach dem ersten Morgen meiner Kollegin von der Times of India in Nürtingen fest. Wie erwartet war der Wochenmarkt der ideale Einstieg in das Leben der Stadt am Neckar. Auch wegen der Herzlichkeit vieler unserer Leser, die die Journalistin vom Ganges (respektive Hugli) mit viel Freude auch persönlich willkommen geheißen haben. Das tat und tut uns beiden gut.</p>
<figure id="attachment_634" aria-labelledby="figcaption_attachment_634" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/03/DSC00022.jpg"><img class="size-medium wp-image-634" title="DSC00022" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/03/DSC00022-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_634" class="wp-caption-text">Die erste Recherche in Nürtingen: Aditi Guha am Stand der Blumenmönche auf dem Nürtinger Wochenmarkt.</figcaption></figure>
<p>Daß das Wetter eine solch große Rolle für den Umsatz auf dem Markt spielt, das hatte  sich Aditi Guha nicht vorstellen können. Eine Verkäuferin am Stand der Blumen-Mönche hat erwähnt, dass man zwar zufrieden sei, aber sicher mehr Kunden gekommen wären, hätte die Sonne geschienen. &#8220;Bei uns gehen die Leute auch bei Regen auf den Markt&#8221;, sagt Aditi. Die Erklärung für den Unterschied liefert Jan-Manik Nerurkar, dessen Mutter in Calcutta lebt und den die Liebe als Student nach Nürtingen verschlagen hat: 30 Jahre lebt er nun schon hier, und man fragt sich, ob er denn nun mehr Inder oder mehr Schwabe ist, wenn man ihn erlebt. Er ist auf jeden Fall ein guter Botschafter Indiens in Deutschland und ein guter Botschafter Deutschlands in Indien. Und er wollte die Frau seiner Heimat schon am allerersten Tag ihres Besuches unbedingt treffen.</p>
<p>&#8220;Die Leute hier haben mehr Geld&#8221;, erklärt er Aditi: &#8220;Die können auch mal für eine ganze Woche einkaufen und brauchen nicht jeden Tag auf den Markt.&#8221; So kann man es auch sehen. Auf jeden Fall dürfen die Möglichkeiten, Vorräte aufzubewahren, besser sein, als in Bengalen, wo es durchgehend wärmer ist und zudem Kühlschränke Luxus sind.</p>
<p>Aditi fällt es auch auf, dass am Eierstand alle frischen Eier braun sind und sich kein einziges weißes drunter findet. Und die bunten kennt sie schon gar nicht, und so notiert sie den Osterbrauch aus Deutschland sofort auf ihrem Block.</p>
<p>Zu den Dingen, die Aditi gleich am ersten Tag begeistern, zählt, dass hier alles so gut organisiert ist: &#8220;Und alles ist so sauber. Das ist einfach brilliant!&#8221; Als ihr ihr Landsmann von der schwäbischen Kehrwoche erzählt (und davon, dass hier jeder für das Stück Straße vor seiner Haustür verantwortlich ist), ist sie Feuer und Flamme und findet, daß man so was eigentlich auch in Calcutta einführen sollte.</p>
<p>Als sie sich in der Buchhandlung Zimmermann umsieht, kommt die Inderin ebenfalls ins Schwärmen. Auch findet sie, dass die Mischung zwischen Tradition und Moderne in diesem Städtchen einfach wunderschön ist: &#8220;Das hat schon was ganz eigenes hier.&#8221;</p>
<p>Auch dass die Menschen hier so gut miteinander verbunden seien, beeindruckt sie: Dass ganze Familien zusammen auf den Markt kämen, dass die einen dann Käse oder Gemüse kauften und sich die anderen im Media-Markt nach den neuesten Computerspielen umschauen, um sich danach wieder auf dem Schillerplatz zu treffen –  das begeistert sie.</p>
<p>Und Pia Schwarz, eine junge Grötzingerin, die in Tübingen Jura studiert  und nebenher im Café Zimmermann als Bedienung jobbt, erweist sich als tolle touristische Botschafterin Nürtingens. Als sie mitkriegt, dass wir uns auf Englisch unterhalten, bringt sie sofort und ungefragt eine Speisekarte in englischer Sprache. Das ist einfach klasse, und genau so muss es einfach sein! Von dieser jungen Frau könnten noch manche was lernen.</p>
<figure id="attachment_636" aria-labelledby="figcaption_attachment_636" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/03/DSC00027.jpg"><img class="size-medium wp-image-636" title="DSC00027" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/03/DSC00027-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_636" class="wp-caption-text">Tolle Tourismus-Botschafterin für Nürtingen: Pia Schwarz vom Café Zimmermann zwischen Aditi Guha (rechts) und Jan-Manik Nerurkar.</figcaption></figure>
<p>Während wir da so eine Stunde am Rande des Schillerplatzes sitzen, entdecken die beiden aus Südasien (zurecht) ihre Begeisterung für ihre Heimat wieder. &#8220;Aus Indien stammen alle Dinge, die die moderne Welt am Laufen halten&#8221;, sagt Jan-Manik (ein absolutes Sorachgenie, denn er spricht nicht nur fast alle Sprachen Europas, sondern auch Chinesisch und Koreanisch). Beispiele gefällig? &#8220;Die Zahlen (inclusive der Null), die Astronomie, viele Musikindustrie, die erste Medizin überhaupt (Ayurveda), Seide (&#8220;das haben wir zwar von den Chinesen geklaut, aber wir machen es besser).&#8221; Und Aditi setzt noch eins drauf: &#8220;Die Tonleiter.&#8221; In Europa kennt zwar (fast) jeder &#8220;Do, re, mi, fa, so&#8221;, aber das indische &#8220;Sa &#8211; Re &#8211; Ga &#8211; Na- Pa &#8211; Dha &#8211; Ni &#8211; Sa&#8221; ist viel viel älter.</p>
<p>Aber dann bricht Jan-Manik auch noch eine Lanze für seine neue Heimat: &#8220;Was in der Urzeit der Menschen Indien für die Welt war, war Deutschland zu Beginn der Neuzeit.&#8221; Musterbeispiel Buchdruck, aber auch viele Erfindungen und philosophische Ideen. Damit hat er ideal die Brücke vom Hugli zum Neckar  geschlagen.</p>
<p>Was viele hierzulande nicht wissen dürften: Indien kannte lange Zeit keine Soldaten.   Kaiser Ashoka (dessen Wappen, das Rad, noch heute in der indischen Flagge zu sehen ist) hatte das Militär abgeschafft. Lange lebte man gut damit, doch als 1000 Jahre später die Araber kamen und das Land eroberten, erwies es sich nicht als die unbedingt pfiffigste Idee. Dieses Trauma wirkt heute noch weiter. Denn nun hat Indien (nach China) die zweitgrößte Armee der Welt. Aber die generell pazifistische Einstellung der Inder führt Aditi heute noch auf Ashoka zurück.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So gibt es sehr viel zu erzählen, und die Zeit vergeht wie im Fluge. Nachmittags stand noch der Ausflug in die Kreishauptstadt Esslingen an, wo meine Tochter Annika Linsenmaultäschle mit Gemüsesoße und Salaten für den Gast aus Indien gekocht hat. Und auch hier kommt Aditi aus ihrer Begeisterung nicht heraus: Zum einen über das Familienleben im Schwabenland (denn auch mein Enkel Levi überwindet seine Fremdelphase und bedenkt die Inderin mit strahlendem Lachen, und sein Papa Michael hat ja ohnehin immer viel Witziges zu erzählen), zum anderen über die saubere Luft, die es tatsächlich ermöglicht, die Sonne und den blauen Himmel überm Neckar zu sehen (was in Calcutta eine Seltenheit ist). Auch dass die Scheiben im Regionalexpress sauber und der Zug sogar pünktlich ist, genießt fast den Tang einer Sensation.</p>
<figure id="attachment_639" aria-labelledby="figcaption_attachment_639" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/03/DSC000331.jpg"><img class="size-medium wp-image-639" title="DSC00033" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/03/DSC000331-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_639" class="wp-caption-text">Freude statt Fremdeln: Auch Levi strahlt den Gast aus Indien an.</figcaption></figure>
<p>Als &#8220;entspannt, freundlich und herzlich&#8221; hat Aditi die Nürtingen am ersten Tag erlebt, sagt sie immer wieder. Fröhlich geht sie ins Bett. Morgen, am Sonntag, steht das nächste Abenteuer an: der Brezelmarkt in Altenriet.<br/><br/><a class="geolocation-link" href="#" id="geolocation626" name="52.517,13.399999999999977" onclick="return false;">Posted from Berlin, Berlin, Germany.</a></p>
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		<title>Die Spuren im Sand</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 07:57:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Gerrmann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Margaret Fishback Powers]]></category>
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		<category><![CDATA[Spuren im SAnd]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf der Buchmesse in Calcutta war es. Samarjit Guha, der Mann meiner Kollegin Aditi von der Times of India, hatte bei Kolkata TV Lieder von Rabindranath Tagore, der 1913 den Nobelpreis für Literatur erhielt, gesungen und damit das Gespräch zwischen &#8230; <a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/02/die-spuren-im-sand/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf der Buchmesse in Calcutta war es. Samarjit Guha, der Mann meiner Kollegin Aditi von der Times of India, hatte bei Kolkata TV Lieder von Rabindranath Tagore, der 1913 den Nobelpreis für Literatur erhielt, gesungen und damit das Gespräch zwischen Moderatorin Kanika Rey und der Rezitatorin Ratna Mita bereichert.</p>
<p>Alles auf Bengali natürlich. So daß ich kein Wort verstand. Aber Samarjits  warme Stimme hat mich einfach begeistert. Und so will ich schon wissen, worum es eigentlich ging. Zum Beispiel bei &#8220;Shukher Mathey Tonayay Dekechi&#8221;. Samarjit arbeitet normalerweise beim British Council – genau gegenüber der Times of India in der Camac Street. Wie gut, daß auch sein Kollege Arnab Banerjee mit dabei ist, der mir den Text ins Englische übersetzen kann.</p>
<p>&#8220;Das ist ein Gespräch mit Gott&#8221;, erklärt mir der junge Mann. Ein Mensch beklage sich darüber, daß er dessen Nähe nur in Zeiten des Glücks erlebt habe, nicht aber, als es ihm dreckig ging. Gott antworte, daß dort, wo auf dem Lebensweg des Menschen nur eine Spur zu sehen sei, er ihn getragen habe.</p>
<p><object width="425" height="355"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/oAQ8j42fBHk" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><embed wmode="opaque" src="http://www.youtube.com/v/oAQ8j42fBHk" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="355"></embed></object></p>
<p>Moment mal, Moment mal! Das kommt mir doch sehr bekannt vor! Das ist doch fast dasselbe wie das Gedicht &#8220;Spuren im Sand&#8221;, das in der westlichen Welt ebenfalls sehr bekannt ist, aber der Amerikanerin Margaret Fishback Powers zugeordnet wird. Die soll das Poem 1964 nach einer Lebenskrise verfasst haben. Da freilich hatte Rabindranath Tagore schon 23 Jahre das Zeitliche gesegnet.</p>
<p>Um die &#8220;Spuren im Sand&#8221; gab es übrigens schon früher Urheberrechtsstreitigkeiten. Fishback Powers musste gerichtlich dafür kämpfen, als Autorin anerkannt zu werden. Einen Hinweis auf die erstaunlichen Parallelen zum literarischen Stolz der Bengalen habe ich aber bislang noch nirgends gefunden. Aber der kann ja jetzt ohnehin nicht mehr klagen.</p>
<p>Sei&#8217;s drum: Das Gedicht ist einfach schön. Ordnen wir es daher einfach mal dem gemeinsamen spirituellen Erbe der Menschheit zu. Und es bereichert einen immer wieder. Daher sei hier Margaret Fishback Powers&#8217; Version nochmal veröffentlicht:</p>
<h1>Spuren im Sand</h1>
<p>Eines Nachts hatte ich einen Traum:<br />
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.<br />
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,<br />
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.<br />
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,<br />
meine eigene und die meines Herrn.<br />
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen<br />
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,<br />
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur<br />
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten<br />
Zeiten meines Lebens.</p>
<p>Besorgt fragte ich den Herrn:<br />
&#8220;Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du<br />
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.<br />
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten<br />
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.<br />
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am<br />
meisten brauchte?&#8221;</p>
<p>Da antwortete er:<br />
&#8220;Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie<br />
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.<br />
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,<br />
<strong>da habe ich dich getragen</strong>.&#8221;</p>
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		<title>Wasser ist zum Waschen da</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Feb 2012 21:38:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Gerrmann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Vor Ort]]></category>

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		<description><![CDATA[Nicht alle Kinder und Pubertierende in deutschen Landen empfinden die allergrößte Freude, wenn sie unter die Dusche oder in die Badewanne gehen sollen. Speziell die Jungs. In vielen Familien zählt das Gezerfe darüber schon zum Familienritual. In Calcutta kann man &#8230; <a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/02/wasser-ist-zum-waschen-da/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht alle Kinder und Pubertierende in deutschen Landen empfinden die allergrößte Freude, wenn sie unter die Dusche oder in die Badewanne gehen sollen. Speziell die Jungs. In vielen Familien zählt das Gezerfe darüber schon zum Familienritual.</p>
<p>In Calcutta kann man indes auch das Gegenteil erleben: Dass Menschen sich danach sehnen, ihren Körper einseifen und mit (auch noch kaltem Wasser) übergießen zu können.</p>
<figure id="attachment_492" aria-labelledby="figcaption_attachment_492" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00025.jpg"><img class="size-medium wp-image-492" title="DSC00025" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00025-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_492" class="wp-caption-text">Morgenwäsche am Straßenrand von Calcutta</figcaption></figure>
<p>Szenen wie diese kann man in der Metropole West-Bengalens Tag für Tag beobachten: Männer knien vor den uralten Handpumpen oder primitiven Brunnen aus britischer Zeit und betreiben Körperpflege. Oft schrubben sie auch ihre kleinen Kinder ab, denn sie wollen nicht, daß der Dreck und der Staub hier Macht über sie gewinnt. Selbst wenn sie alle im Dreck am Straßenrand schlafen und der Ruß aus den Auspuffen der Autos oder vom Holzkohlefeuer, mit dem hier gekocht wird, im Laufe des Tages unentrinnbar auf sie herniederrieselt: Zumindest einmal am Tag wollen sie sauber sein. Auch wenn ich nicht die Hand dafür ins Feuer legen würde, dass das, was da aus der Pumpe quillt, den europäischen Gesundheitsvorschriften entspricht. So mancher dieser Brunnen wäre bei uns wohl schon längst gesperrt worden.</p>
<figure id="attachment_495" aria-labelledby="figcaption_attachment_495" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00269.jpg"><img class="size-medium wp-image-495" title="DSC00269" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00269-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_495" class="wp-caption-text">Auf dem Lande wäscht man sich in dreckigen Tümpel.</figcaption></figure>
<p>Und mir wird hier vielleicht zum ersten Mal in ganzer Konsequenz bewusst, daß auch Körperhygiene zur Würde eines Menschen gehört. Frauen habe ich übrigens noch keine direkt am Straßenrand beim Waschen gesehen. Ich nehme an, das liegt am Schamgefühl. Vermutlich werden sie mit einem Eimer das Wasser dorthin transportieren, wo sie keiner sieht. Auf dem Land wiederum steigen sie mit Sari in oft entsetzlich aussehende Tümpel mit abgestandenem Wasser. Die Kleider trocknen dann zuhause.</p>
<p>„Wasser ist zum Waschen da“, verkündete ein deutscher Schlager aus den 50er-Jahren. Und zum Zähneputzen sollte man es auch benutzen können. In Calcutta mit seiner völlig veralteten Wasserversorgng, deren Großteil noch aus der Kolonialzeit stammt, ist sauberes Wasser ein knappes Gut.</p>
<p>Gleich am ersten Tag sind mir auf dem Weg vom Flughafen zum Goethe-Institut Tankwagen aufgefallen, die vor einem Aquädukt Schlange standen und dann wie die Dampfloks mit Wasser befüllt wurden.</p>
<p>Denn nicht mal jede Wohnung in Calcutta hat einen Wasseranschluss. Die Lastwagen fahren dann in die Armenviertel, wo die Menschen sich Kanister abfüllen.</p>
<figure id="attachment_493" aria-labelledby="figcaption_attachment_493" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00055.jpg"><img class="size-medium wp-image-493" title="DSC00055" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00055-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_493" class="wp-caption-text">Vom Rotaryclub gestiftet: Trinkwasserstation in der Park Street im Herzen Calcuttas.</figcaption></figure>
<p>Und daher engagiert sich auch der Rotary-Club auf diesem Sektor. Die öffentlichen Anlagen, wo sich jeder mit sauberem Trinkwaser versorgen kann, sind ein Segen für diese Stadt.<br/><br/><a class="geolocation-link" href="#" id="geolocation491" name="52.517,13.399999999999977" onclick="return false;">Posted from Berlin, Berlin, Germany.</a></p>
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		<title>Vier Kittel kälter</title>
		<link>http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/02/zwei-kittel-kalter/</link>
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		<pubDate>Sun, 26 Feb 2012 17:44:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Gerrmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ja, ich bin wieder in Nürtingen. Schön, daß mich soviele Menschen so herzlich willkommen daheim geheißen haben – sei es nun am Samstag auf dem Nürtinger Wochenmarkt oder am Sonntag in der Stephanuskirche im Roßdorf. Sehr gefreut hat es mich &#8230; <a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/02/zwei-kittel-kalter/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, ich bin wieder in Nürtingen. Schön, daß mich soviele Menschen so herzlich willkommen daheim geheißen haben – sei es nun am Samstag auf dem Nürtinger Wochenmarkt oder am Sonntag in der Stephanuskirche im Roßdorf. Sehr gefreut hat es mich auch, daß die Berichte über Indien auf so großes Interesse gestoßen sind – sei es in der Zeitung oder auch hier im Internet. Es gibt auch noch weiter viel zu erzählen. Und deswegen wird dieses Blog auch nicht eingestellt, nachdem der Alltag am Neckar wieder für mich beginnt.</p>
<p>Heute kommt erst einmal ein Nachtrag, der dem &#8220;Funkloch&#8221; in der Tee-Metropole Darjeeling geschuldet ist. Geschrieben wurde er am 16. Februar, dem Tag meiner Ankunft dort. Alsdenn, legen wir los:</p>
<p>Auf der Alb sei es einen Kittel kälter als im Neckartal, pflegt der Schwabe zu sagen. So zwei bis drei Grad seien dies umgerechnet. Im Vergleich zur Calcutta, wo es gestern Nachmittag drückend schwül war, ist es hier in Darjeeling im Moment also mindestens vier Kittel kälter. Wenn nicht gar fünf.</p>
<figure id="attachment_617" aria-labelledby="figcaption_attachment_617" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC000023.jpg"><img class="size-medium wp-image-617" title="DSC00002" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC000023-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_617" class="wp-caption-text">Koloniale Atmosphäre auf der Terrasse des Planter&#39;s Club in Darjeeling.</figcaption></figure>
<p>Während ich dies schreibe, kommt dich tatsächlich über der Terrrasse des Planter&#8217;s Club, wo zu Kolonialzeiten die britischen Teeplantagenbesitzer dem Alkohole frönten, die Sonne zum Vorschein. Nun ist es wieder einen Kittel wärmer. Die Briten sollen übrigens früher bis zum Abend gezecht haben und dann sturzbetrunken aufs hohe Ross gestiegen sein. Die Pferde hätten schon alleine heimgefunden.</p>
<p>Nun, bis abends will ich hier nicht sitzen. Gleich soll mich ein Auto holen und zum Steinthal Tea Estate bringen. Ort, inmitten von Teebüschen, soll dann für die nächsten beiden Nächte mein Domizil sein.<br />
Womit eine Frage beantwortet wäre: Die etwas mehr als zehnstündigeFahrt im Nachtzug vom Bahnhof Sealdeahl in Calcutta nach Siligui hab ich gut überstanden. Abenteuerlicher war schon der Ritt im Jeep-Taxi hier hoch in die Berge. Streckenweise zu elf sind wird dringesessen. Und Michael, ein Musiker aus Buffallo in den USA, der vier Monate durch den Osten Indiens reist, und ich, wurden herzlichst von allen Seiten gedrückt.</p>
<p>Wild ging es zu auf den holprigen Straßen in die Berge. Der Bahnhof lag auf etwa 60 Meter Seehöhe. Jetzt sind es rund 2000. Zuweilen war der Pass so eng, daß ich nicht glaubte, daß hier zwei Autos aneinander vorbei kämen. Es klappte aber doch. Nur Bus habe ich in diesen dreieinhalb Stunden, die wir für die 80 Kilometer brauchten, keinen gesehen. Was mich nicht wundert.<br />
Die Schmalspur-Bahnlinie von Siliguri ist übrigens gesperrt. Wegen Erdrutsch, sagt man mir. Ich habe nicht den Eindruck, daß sie allzu schnell saniert würde. Vielleicht ist das ja auch ein Konjunkturprogramm für Jeep-Taxis.</p>
<p>Was mir während der Fahrt auch noch auffällt: Die Tempel wechseln. Nun dominieren nicht mehr Kali und Krishna, sondern buddhistische Gebetsstätten, auch Klöster dieser Religion sieht man. Die Gegend hier ist nämlich gar nicht so lang besiedelt. Sie war weitgehend menschenleer, als sie die Briten als Sommerfrische entdeckten und vom König von Sikkim pachteten.<br />
Und da Menschen aus Nepal als Wallfahrer über die Berge kamen, fragten sie die Briten, als der Teeanbau vor etwas mehr als 150 Jahren startete, ob sie nicht zum Arbeiten bleiben wollten. Mittlerweile stellen die Nepali übrigens die Bevölkerungsmehrheit.<br />
So, der Fahrer ist da. Er wird mich zu einer der ältesten Plantagen bringen, die es hier gibt: Steinthal-Singtom.</p>
<figure id="attachment_618" aria-labelledby="figcaption_attachment_618" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00076.jpg"><img class="size-medium wp-image-618" title="DSC00076" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00076-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_618" class="wp-caption-text">Von einem deutschen Pfarrer ins Leben gerufen: die Teeplantage von Steinthal-Singtam in Darjeeling.</figcaption></figure>
<p>Vor etwas mehr als 150 Jahren machte hier ein Pfarrer aus Deutschland Versuche mit Teesträuchern und entschied sich für die chinesische Variante, die (wie sich später herausstellte) erheblich langlebiger ist als das indische Pendant, das zum Beispiel im Flachland von Assam angepflanzt wurde. Steinthals Interesse für Tee verschaffte übrigens   den armen Menschen dort eine Perspektive. Es gibt Familien, die nun schon in der vierten oder fünften Generation in der Plantage (im Darjeeling spricht man von &#8220;Teegarten&#8221;) nicht nur arbeiten, sondern auch leben. In kleinen Häuschen, die im Vergleich zu Calcuttas vielen Halb-Ruinen fast schon luxuriös anmuten. Drumherum halten sie sich ein Schwein und ein paar Hühner. Bescheidener Wohlstand, der aber drauf schließen läßt, daß es den Menschen hier gut geht.</p>
<p>Des Pfarrers Engagement führte auch dazu, daß es in dieser Region überdurchschnittlich viele Christen gibt. In Darjeeling residiert sogar ein katholischer Bischof, der für Darjeeling, Sikkim und Bhutan zuständig ist. Auf etwas mehr als 48 000 Quadratkilometern (etwa so viel wie Niedersachsen hat) gibt es allerdings nur 35 Pfarreien. Zum Vergleich: Rottenburg hat auf knapp 20 000 Quadratkilometern fast 1000.</p>
<figure id="attachment_619" aria-labelledby="figcaption_attachment_619" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00071.jpg"><img class="size-medium wp-image-619" title="DSC00071" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00071-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_619" class="wp-caption-text">Wasser für die Menschen im Teegarten: der Jesus-Brunnen.</figcaption></figure>
<p>Aber nicht so sehr Darjeelings Stellung als Bischofssitz ist es, die mich beeindruckt, sondern eher die kleinen Zeichen des Glaubens. Etwa der &#8220;Jesus-Brunnen&#8221;, der den Menschen inmitten der Plantage Wasser spendet oder das kleine Gebetshaus, in dem man sich trifft und in dem offensichtlich ein reiches Gemeindeleben stattfindet: Als ich durch die Fensterscheiben blicke (die Tür ist leider abgeschlossen) sehe ich eine Menge moderner Instrumente am Altar stehen: Gitarren, aber auch viele Trommeln. Kein Wunder – denn die Kirchen in Indien sind Kirchen der Jugend. Und das spiegelt sich wohl auch in der Musik wieder.<br/><br/><a class="geolocation-link" href="#" id="geolocation613" name="52.517,13.399999999999977" onclick="return false;">Posted from Berlin, Berlin, Germany.</a></p>
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		<title>Bonbibi schützt vor Tigern</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Feb 2012 22:21:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Gerrmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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		<category><![CDATA[Nürtinger Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu den populärsten Göttinnen Indiens zählt sie nicht. Das aber liegt daran, das Bonbibi ein recht begrenztes Zuständigkeitsgebiet hat: den Dschungel in den Sundarbans. Dort aber finden sich zuhauf Tempel für sie. Denn Bonbibi soll vor Tigern schützen. Und die &#8230; <a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/2012/02/bonbibi-schutzt-vor-tigern/">Lesen fortsetzen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu den populärsten Göttinnen Indiens zählt sie nicht. Das aber liegt daran, das Bonbibi ein recht begrenztes Zuständigkeitsgebiet hat: den Dschungel in den Sundarbans. Dort aber finden sich zuhauf Tempel für sie. Denn Bonbibi soll vor Tigern schützen. Und die sind dort nicht nur eine virtuelle Gefahr. Sondern eine höchst konkrete Bedrohung.</p>
<figure id="attachment_391" aria-labelledby="figcaption_attachment_391" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00426.jpg"><img class="size-medium wp-image-391" title="DSC00426" src="http://www.zur-zeit-calcutta.de/wp-content/uploads/2012/02/DSC00426-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><figcaption id="figcaption_attachment_391" class="wp-caption-text">Seite an Seite: Bonbibi, ihr Zwillingsbruder Shaha Jangoli und ihr Widersacher Dakshin Rai (in Gestalt eines Tigers)</figcaption></figure>
<p>Die Fischer, die sich bei Flut in die kleinen Kanäle des Nationalparks trauen, die Honigsammler, die im Mangrovenwald den süßen Saft ernten wollen – sie alle wissen nicht, ob sie abends wieder heimkommen. Die Macht des Tigers ist hier allgegenwärtig. Und daher wird Bonbibi nicht nur von den Hindus verehrt, sondern sogar  von den Moslems, die sich hier (in der Regel nach ihrer Flucht aus dem nahen Bangla Desh) niedergelassen haben. Und auch die Anhänger der Naturrreligionen, die Adivasi, fürchten das mächtige Tier.</p>
<p>An Bonbibis Seite findet man in den kleinen (oft aus Bambus errichteten) Tempeln häufig ihren Zwillingsbruder Shaha Jangoli. In den Sundarbans ranken sich eine Menge Legenden um die beiden.</p>
<p>An Bonbibis Seite findet man in den kleinen (oft aus Bambus errichteten) Tempeln häufig ihren Zwillingsbruder Shaha Jangoli. In den Sundarbans ranken sich eine Menge Legenden um die beiden. Und manchmal wird neben ihnen auch noch ein Tiger dargestellt – der soll Dakshin Rai darstellen. Einst soll er ein brahmanischer Weise gewesen sein, dann aber aus Gier beschlossen haben, Menschen zu verspeisen. Als er einen jungen Mann auffressen möchte, betet der zu Bonbibi. Die eilt flugs samt Shaha Jangoli herbei und besiegt den Bösen.</p>
<p>Übrigens: Bonbibis Schutz hilft nur, wenn die Menschen keine Spuren im Urwald hinterlassen. Und daher verzichten die Fischer und Honigsammler doch tatsächlich dort auf das ansonsten in Indien so beliebte Spucken auf den Boden&#8230;</p>
<p>&nbsp;<br/><br/><a class="geolocation-link" href="#" id="geolocation388" name="52.517,13.399999999999977" onclick="return false;">Posted from Berlin, Berlin, Germany.</a></p>
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