Kali und Shani

Allüberall sieht man in Calcutta kleine Tempel am Wegesrand. Die Hindus sind sehr religiös, und damit sollen sie die Möglichkeit haben, quasi im Vorbeigehen beten zu können.

Am Shantiniketan Building, wo das Büro der Times of India ist, hängt am Eingang ein Bild der Göttin Kali, der Calcutta ihren Namen verdankt. Viele Menschen, die in den 16 Stockwerken dort arbeiten, beginnen und beenden ihr Tagwerk, indem sie dort ein kurzes Gebet sprechen.

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Ungleiches Götter-Pärchen: Kali und Shani (in Blau).

Am Ballygunge Phari, ganz in der Nähe meines Gästehauses, indem ich sechs Wochen verbracht hatte, ging ich jeden Abend an einem anderen kleinen Bethaus vorbei. Darinnen steht ein ungleiches Pärchen. Kali, die Schutzgöttin der Stadt, und Shani, der Regent des Planeten Saturn.

Die eine ist zwar auch die Göttin der Zerstörung, aber zugleich steht sie auch für Neubeginn, für Fruchtbarkeit und Erotik (was ja alles positive Dinge sind). Kalis Kleid ist (wie man auf dem Bild oben sieht) rot. Wie das Blut. Auch das Menstruationsblut der Frau.

Ihr Gefährte in diesem Mini-Tempel ist da ein ganz anderes Kaliber: “Shani ist verantwortlich für alles Durcheinander und Unglück im Leben der Menschen”, hat mir schon in Calcutta Basav Bhattacharya, mein Journalistenkollege, mit dem ich oft unterwegs war, erklärt. Er trägt Blau: “Denn alles Böse ist blau.” Sagt Basav. Der Sohn des Sonnengottes Surya  und der  Chaya („Schatten“) wird von einer Krähe begleitet, und er führt stets Speer und Pfeilbogen mit sich.

Kein Wunder also, dass keiner so recht mit ihm zu tun haben will: “Niemand will ihn in seiner Wohnung haben”, erzählt mir vorhin meine Kollegin Aditi Guha, die zur Zeit bei uns zu Besuch in der Nürtingen Zeitung ist: “Deswegen verehrt man ihn nur am Straßenrand. Niemals daheim.”

Posted from Berlin, Berlin, Germany.

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