Grüne Dächer für Indien?

Indien ist ein faszinierendes Land. Aber auch eins mit vielen Umweltproblemen. Wie gut es uns in dieser Richtung geht, das ist meiner Kollegin Aditi Guha von der Times of India schon in den ersten Tagen ihres Aufenthalts aufgefallen: Blauen Himmel und die Sonne nicht nur hinter grauem Dunst zu erahnen, sondern auch den ganzen Tag über zu sehen – das ist in Calcutta wahrlich etwas ganz Besonders. Während meiner fünf Wochen dort war mir dieses Glück nie beschieden.

Klar also, daß Umweltthemen für Aditi bei ihrem Besuch am Neckar ganz obenan stehen. Und super, daß Nürtingen in dieser Richtig etwas ganz Besonders zu bieten hat: In Indien  sammelt man zwar nun auch Regenwasser und baut Niedrigenergie-Häuser, aber Dachbegrünung kennt man in Calcutta gar nicht. Und in Nürtingen gibt es ja einen der Weltmarktführer auf diesem Sektor – die Firma Zinco, die seit kurzem in der Bachhalde bei Oberensingen beheimatet ist.

Gespräche über Dachbegrünung: Aditi Guha mit Wolfgang Ansel (links) und Roland Appl auf dem Dach des Zinco-Neubaus in der Bachhalde bei Oberensingen.

Deren Chef, Dieter Schenk, ist leider kurzfristig krank geworden. Aber Wolfgang Ansel, der bei der International Green Roof Association (IGRA)  tätig ist, und Roland Appl, seines Leiters Technischer Leiter bei Zinco, nehmen sich gerne Zeit für den Gast aus der 14-Millionen-Metropole in West-Bengalen. Und für Ansel trifft es sich ohnehin großartig: Er bereitet gerade den Auftritt seiner Organisation bei der “Roof India” vor – einer Fachmesse, die demnächst in Chennai stattfindet.

Und er informiert Aditi ausführlich über die Anfangsjahre der Dachbegrünung in Deutschland vor 30, 40 Jahren: “Zu Beginn war es wichtig, dass die Sache bezahlbar wurde, damit die Städte  Dachbegrünung auch vorschreiben konnten.” Und der Experte unterstreicht, dass die Unterhaltskosten für grüne Dächer sehr niedrig seien, so daß sie auch etwas für Garagen und Carports seien.

Auch in anderer Richtung kann er die Journalistin aus Indien beruhigen: die Pflanzen, die man für die Dächer auswähle, hielten auch extreme Klimabedingungen aus. Im Falle Calcutta heißt dies: zum Teil extreme Hitze, dann aber auch gewaltige Regenfälle über Monate hinweg. Und die Vorteile für den Subkontinent leuchten der Frau von der Times of India ein: Wasser werde zurückgehalten, die grünen Dächern wirkten kühlend für die Städte, die Biodiversität (Artenvielfalt) werde erhöht, und man erhalte auch einen ökologischen Ausgleich  für verbrauchte Flächen.

Indien sei gewiss ein großer Markt mit vielen Bauaktivitäten, ist Ansel überzeugt. Aber das Basiswissen über Dachbegrünung sei nicht so verbreitet wie in Europa: “Da muss man was tun!” Aditi gibt ihm recht: “Ja, das stimmt. Unsere Leute müssen in dieser Richtung ausgebildet werden.” Und sie hat durchaus Hoffnung: “Calcutta ist eine Metropole mit viel Problemen, aber auch viel Potential.” Und sie atmet auf, als die beiden Gesprächspartner ihr versichern, dass man durchaus auch Dächer von Altbauten begrünen könne, wenn entsprechende Voraussetzungen vorlägen.

Roland Appl stellt ihr dann noch die Firma Zinco und deren Neubau in der Bachhalde vor. Die Inderin ist beeindruckt, als sie hört, dass dort mehr Energie produziert als verbraucht und demnächst nicht  nur das Dach und die Tiefgarage, sondern auch eine Hauswand begrünt werden soll.

Aditi ist fasziniert. Was sie gehört hat, will sie nun nicht zuletzt dem Chef des Entwicklungsamtes der Metropolregion Calcutta, Vivek Bharadwaj, weitergeben.

Wer weiß, vielleicht ergibt sich ja bald eine ganz neue Verbindung zwischenden Städten am Neckar und am Hugli (respektive Ganges). . .

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One Response to Grüne Dächer für Indien?

  1. B. Elers sagt:

    das ist ja interessant, auf die art erfahre auch ich, was die firma zinco produziert. ich dachte erst, der besuch hätte bei uns auf dem neubau stattgefunden

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