Die indische Weisheit ist weltberühmt. Aber spiegelt sich nicht nur in den Veden oder anderen philosophischen Schriften wieder. Man findet auch im Alltag weise Menschen.
So kommt auf jeden Fall Dicky Banerjee vor. Ich treffe ihn im Garten des Goethe-Instituts nach der Präsentation des Theaterstücks “Call cutta in a box”, mit dem das deutsche Rimini-Protokoll unter Mithilfe von jungen Leuten aus dem St. Xavier’s College in Calcutta (die eines der hier massenweise vorhandenen Callcenter simulieren) vom 17. bis 25. Februar beim Theaterfestival von Auckland in Neuseeland vertreten ist. Darüber wurde ja auch hier im Blog unter dem Titel “Hier spricht Calcutta” berichtet.
Dicky freilich ist ein Veteran dieses Theaterprojekts. Der Video-Filmer war schon bei der Weltpremiere von “Call cutta” vor sieben Jahren mit dabei. Nun will er den jungen Menschen, die die (abgespeckte) Fortsetzungs-Version in die Welt tragen, Mut zusprechen.

Und im Gespräch mit dem Journalisten aus Deutschland entwickelt er interessante Gedanken. Über die ganze Welt habe sich ein Einheitsbrei ergossen: Überall sei die Werbung gleich. Überall gebe es Samsung und Apple, Coca Cola und McDonald’s, Starbuck’s und Pizza Hut. Überall werde dieselbe (amerikanische oder englische) Musik gespielt. Überall seien Webcams aufgestellt, alles sei im Internet dokumentiert: “Da brauche ich doch gar nirgends hinfahren. All das habe ich Calcutta doch auch.”
Dass durch die Globalisierung überall alles gleich sei, habe die Menschen aber nicht einander näher gebracht: “Im Gegenteil, es trennt uns immer mehr voneinander.” Technisch finde man quasi keine Unterschiede mehr, nur noch kulturell. Aber gerade durch den Austausch darüber könne eine neue Nähe entstehen, auch wenn man (wie in “Call cutta”) nur miteinander telefoniere oder per Skype Gedanken austausche.
“Nur Gefühle sind noch etwas sehr Spezielles”, sagt Dicky Banerjee: Nicht nur in New York und Seoul, Moskau und Pretoria, Berlin und Calcutta seien sie unterschiedlich, sondern im Grunde in jedem einzelnen Menschen. Und wenn man sich auf dieser Ebene unterhalte, ist der Filmemacher überzeugt, “dann spüre ich plötzlich eine innere Verbindung zwischen einem Radsportler, der in Helsinki für die Olympiade trainiert, und mir”. Dann sei mit einem Mal Nähe da, selbst über Zigtausende Kilometer hinweg. Mit dieser Erfahrung habe ihn “Call cutta” beschenkt.
Und diese Weisheit möchte Dicky daher möglichst vielen Menschen weitergeben.
Das ist mal ein gut geschriebener Artikel, mein Dank. Muss man sich nochmal in Ruhe durchlesen. Generell finde ich den Blog gut zu lesen.